Distel – stachelumwoben

Kommst du mit? Ich erzähl dir die Geschichte von der stachelumwobenen Distel.

Auf meinem Weg stand eine Distel. Sie war hoch gewachsen – ich schaute zu ihr hinauf. Stolz stand sie da und reflektierte die Sonnenstrahlen, die sie in ein silbernes Licht tauchten. Sie wurde emsig von Bienen umflogen.

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Ihre Blüten sahen verlockend aus. Ganz langsam näherte ich mich mit sehr viel Achtung. Wie schön sie war. Ich streckte die Hand aus, um sie zu berühren. Doch ein paar Millimeter vorher hielt ich inne. Sie flößte mir unheimlichen Respekt ein, denn ich ahnte, wieviel Schmerz sie verursachen konnte. Wieviel sie wohl selbst erlebt hatte? Sie hatte jedenfalls gelernt, sich zu wehren, bevor ihr jemand zu nahe kommt.

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Doch ich erhaschte einen tieferen Blick in ihre Blüten. Ganz still und sachte nahte ich mich und entdeckte, dass es jemand geschafft hatte, nicht verjagt zu werden.

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Das Tierchen hatte die weiche Stelle gefunden – den Kern, das Herz der Pflanze. Es durfte in der Nähe bleiben. Ich beobachtete es eine Weile und fragte mich, ob es bei uns Menschen wohl so ähnlich ist?

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Was ist mit den vielen Verletzungen, die wir im Laufe unseres Lebens erleben? Viele Menschen werden stachelig, sie lassen niemanden mehr an sich ran. Weil sie sich so nach Beziehung sehnen, aber nicht mehr daran glauben, verstanden und wertgeschätzt zu werden. Zu oft haben sie Ablehnung oder Verachtung erlebt. Diese offenen Wunden tragen sie oft jahrelang mit sich herum. So jagen sie jeden davon, der sich ihnen nähert. Und natürlich probiert man es irgendwann nicht mehr, keiner will dauernd verletzt oder verjagt werden. Die meisten beziehen es ja auf sich selbst und fühlen sich abgelehnt. Es braucht Menschen, die ihre eigenen schweren Themen mit Gottes Hilfe und Annahme bearbeitet und Heilung erfahren haben. Erst dann kann man sich mutig auf den Weg machen und andere gut begleiten.

Die Schwierigkeit ist, dass ein Gegenüber, welches freundlich ist, den ganzen alten Schmerz und die Defizite aufwühlt und erst einmal ins Bewußtsein holen wird. Deshalb müssen die Stacheln ausgefahren werden. Wenn es aber doch einer schafft, zu bleiben und alte Erfahrungen mit Güte und Vertrauen zu überschreiben, werden Wunden heilen und vernarben und Menschen wieder anfangen, die Nähe zu suchen.

Das alles ist nur meine Theorie, aber vielleicht versuchst du es einmal? Damit meine ich beides: Nähe zulassen und Nähe herstellen, mit dem Wissen, dass bei Ablehnung nicht du gemeint bist, sondern deine Freundlichkeit, die wehtut, weil sie so lange fehlte. Natürlich braucht das viel Fingerspitzengefühl, um die Grenzen eines anderen Menschen nicht zu überschreiten. Doch dann kann etwas heilen und vielleicht machst du neue wertvolle Erfahrungen. Auf jeden Fall wird es Spuren im Leben hinterlassen.

Schreibe mir gern deine Erfahrungen.

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