Selber machen ist „en vouge“ – der DIY Trend

Ein Gastartikel von Isa: DIYlerin, Genussreisende und Bloggerin

Vor einem Jahrzehnt galt es unter jungen Erwachsenen noch als altmodisch, selbst Socken zu stricken, zu nähen oder zuhause oder den Garten zu versorgen. Dieses verstaubte Image hat sich aber in den letzten Jahren gewandelt. Do it yourself (DIY) „mach es selbst!“ hat sich zum regelrechten Trend etabliert. Blogger(innen) berichten über ihre neuesten Projekte, Internetplattformen laden zum Austausch ein und spezielle Händler haben sich genau auf die Bedürfnisse der „Selberhersteller“ spezialisiert. Trends sind meist Marker der Gesellschaft, sie entwickeln sich aufgrund bestehender Wünsche und Bedürfnisse. Warum hat sich der DIY-Trend gerade jetzt, am Anfang des 21. Jahrhunderts etabliert? Welche Gründe gibt es, sich selbst abzurackern, wo doch die moderne Konsumgesellschafft keine Wünschen offen lässt?

Ausgleich zum Berufsleben

DIY-Gedanken von www.wertdernatur.de

Das Berufsleben hat sich in den letzten Jahrzehnten stark gewandelt. Die Zeit ist schnelllebiger, Arbeitnehmer stehen häufig unter Dauerstress. In der Arbeit ist Multitasking gefragt, mehrere Dinge sollen gleichzeitig geschehen. Unterbrechungen (wie ein Telefonanruf, eine Frage seitens der neuen Mitarbeiterin) sind an der Tagesordnung. Dadurch können sich die Arbeitnehmer nicht auf eine Aufgabe fokussieren, werden ständig aus ihrer Konzentration gerissen. Als Ausgleich zum fremdbestimmten, gehetzten Berufsleben suchen viele Menschen Befriedigung in handwerklichen Tätigkeiten. Beim Nähen/Basteln/Kochen,… kann jeder selbst bestimmen, was er herstellt, wie schnell und wann das Endresultat erreicht wird. Das Resultat der Arbeit ist greifbar, fassbar. Ein Gegenstück zur kopflastigen Arbeit in der digitalen Welt, mit der wir sonst zu tun haben.

Entspannung

Stress ist allgegenwärtig. Ob im Berufsleben, im Familienleben oder sogar in der Freizeit – wir alle sind Meister darin, uns selbst Druck zu machen. Aber auch die Umweltfaktoren sorgen für Zeit- und Leistungsdruck, was zur Ausschüttung von Stresshormonen führt.

Um dieses Hamsterrad zu verlassen brauchen wir  einen Ruhepol. Wir brauchen etwas, dass uns Freude bereitet, etwas, wo wir abschalten können. Ein Hobby, bei dem wir selbst aktiv werden können, unsere Hände einsetzen – und uns nicht nur passiv berieseln lassen.

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Egal ob wir töpfern, die Stricknadeln schwingen oder einen Teig kneten: all diese Tätigkeiten führen zur Entspannung. Wichtig ist nur, dass dieses Hobby nicht zum Muss wird. Es soll kein Pflichtprogramm sein, sondern aus reiner Lust praktiziert werden. Selber machen bedeutet auch Mut zur Langsamkeit. Maschinell gefertigte Socken sind schnell gekauft, das Stricken von Socken dauert viele Stunden. Trotzdem wählen DIY-Anhänger lieber diesen längeren Weg. Einfach, weil diese Wiederentdeckung der Langsamkeit den ganzen Alltag entschleunigt und entspannt.

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Nachhaltiger und umweltbewusster Lebensstil

Die meisten Menschen nähen/kochen/basteln/ nicht, um Geld zu sparen. Viele DIYler versuchen bewusst, ihren Konsum zu reduzieren und somit weniger Ressourcen zu verbrauchen. Konsumreduzierung durch Selbstproduktion funktioniert aber nur, wenn das selbsthergestellte Produkt anstatt eines kaufbaren Produkts verwendet wird und nicht zusätzlich. Selbermachen spart Transportwege, Müll, Dünger, Maschinen und schützt vor Arbeiterausbeutung.

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Zudem ist das Selbermachen, wenn es von genügend Menschen praktiziert wird, ein Signal für die Wirtschaft. Der Trend zeigt, dass die Menschen genug von der totalen Industrialisierung haben. Sie legen Wert auf Qualität und zahlen dafür auch gern ein bisschen mehr. Der DIY Trend ist somit ein Statement zu mehr Wertschätzung von Natur und Umwelt.

Soziale Kontakte knüpfen

Durch das Selbermachen bilden sich neue Bekanntschaften und Freundschaften. Menschen lernen sich kennen, die ähnliche Interessen und Vorlieben haben. Gemeinschaftliche Projekte im öffentlichen Raum werden immer mehr. In den meisten Großstädten finden sich mittlerweile Gemeinschaftsgärten, Repair Cafés, FabLabs und Nähwerkstätten. Die Mitglieder haben dort genügend Raum und Ressourcen, um ihren Hobbys nachzugehen. Zudem können sie sich mit anderen Mitgliedern unterhalten, Ratschläge holen oder selbst Tipps geben. Wer selbst etwas herstellt, kann seine Individualität und Persönlichkeit  zeigen. Auf der anderen Seite ist er aber auch Teil eines großen Kollektivs. Selbermachen ist somit kein Hobby für Eigenbrötler, sondern im Gegenteil ein sehr soziales Hobby.

Selbstverwirklichung & Sinnhaftigkeit

Wer selbst etwas herstellt, schafft sich Freiraum. Freiraum, um zu tun, was gefällt. Freiraum, um Kreativität zu zeigen. Freiraum, um abschalten zu können. Freiraum, um Konsumentscheidungen unabhängiger treffen zu können.

Zudem gibt uns dieses Hobby das Gefühl, unsere Zeit sinnvoll verbracht zu haben. Als Belohnung für unsere Mühen sehen wir ein Endresultat – das kann ein neues Kleid, ein leckerer Kuchen oder ein selbstgebautes Regal sein. Dinge, die wir selbst hergestellt haben, schätzen wir mehr als gekaufte Gegenstände. Wir reparieren sie häufiger, was wiederum zu einer Konsumreduktion führt.

DIY ist ein Trend, der gerne noch länger bestehen darf. Durch Selbermachen tut man sich nicht nur selbst etwas Gutes, sondern wirkt auch positiv auf Umwelt und sozialen Zusammenhalt ein. DIY führt zu einer kritischen Konsumhaltung, mehr Wertschätzung und einem nachhaltigerem Lebensstil.

Verfasst von Isa, DIYlerin, Genussreisende und Bloggerin