Pilgersong 2020

Dieses Jahr habe ich einen Pilgersong geschrieben, weil mir die Melodie auf dem Weg nicht mehr aus dem Kopf ging. Es ist eine kleine Geschichte über die Lebensreise geworden. Vielleicht möchtest du sie beim Pilgern hören oder bekommst dann Lust, auch einmal los zu pilgern? Ich habe ein paar Pflanzenfotos aus dem Mikrokosmos eingearbeitet. Viel Freude 🙂

Will ich Leben im Detail sehn,

darf ich losgehen, werde so vieles verstehen.

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Will ichs erleben, geb ich mir nen Ruck,

Selbsterfahrung stärkt und wird mein Schmuck.

Die Reiselust kann Freude entfachen,

so vieles wird in mir erwachen.

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Das Endziel ist jetzt noch gar nicht dran,

sondern ich fange erstmal an.

Fuß um Fuß setze ich nen kleinen Schritt,

ab und zu fliegt ne Libelle mit.

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Ringsum sind Felder gemalt wie sanftes Streicheln,

die sogleich mein Herz erweichen

steiniger Weg, Wald und Steppenweite

werden sanft meine Gedanken leiten.

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Lass meine Augen sich richtig satt sehen

und werd auch mal ins Detail gehen.

Werde ich mal matt, lass ich das hetzen los,

Gelassenheit fällt mir in den Schoß.

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Kann mit dem Bussard am Himmel Kreise ziehen,

mit jeder Wolke hab ich einen Termin.

Einfach mal nur im Heute sein,

das Morgen findet den Weg ganz allein.

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Und sollt ich meinen, ich muss jetzt mal weinen,

Sehnsüchte sprießen, Perlen fließen.

Finde mein Tempo, meine Weise

und mich selbst auf dieser Reise.

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Ich geh nicht weiter ohne was zu schreiben

so wird auch ein Eindruck bleiben,

Kann mir die Langsamkeit jetzt zugestehen

und beginnen, das Schöne dran zu sehen.

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Um mich herum die lauhe Luft

hinter mir fliegt Kräuter-Freiheits-Duft.

Ich kann den Glanz aus der Landschaft schlürfen,

in mir nach Schätzen schürfen.

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Sonnendurchtränkt schwitzend wird mir nun klar,

seine mühevolle Seite legt das Leben dar.

Für manchen Wegabschnitt gilt nur durchkämpfen,

das wird meine Ungeduld schon dämpfen.

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Ich lern die Schmerzen einfach zu ignorieren,

vielleicht wird ich ja mehr trainieren?

Wenn meine Füße automatisch laufen,

wird auch mein Kopf dann mal verschnaufen.

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Der Wunsch nach einem Fahrrad ist jetzt groß,

auch hier übe ich und lasse los.

Des Waldes Pracht wird mich neu beleben,

auf schattigen Wegen werde ich schweben.

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Will mir den schönsten Platz für die Pause gönnen,

nicht nur dauernd weiterrennen,

jetzt einfach mal verstohlen Atem holen,

denn es dauert so lange wie es dauert.

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Den Blick auf Waldes Gaben erhaschen,

rotbackige Himbeeren naschen,

sonnengewärmte Mirabellen lutschen

das Alleinsein kann mich überraschen.

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Ich sah niemals soviel Phantasie,

der Schöpfung Kreativität begreif ich nie.

All das nehme ich mit in meinen Alltag,

damit ich dort ab jetzt mehr wage.

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Willst du Leben im Detail sehn,

darfst auch du losgehen, wirst so vieles verstehen.

(8/2020)

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